München droht Pflege-Notstand

Köln, 12. August 2019. In München droht in den nächsten 20 Jahren eine massive Unterversorgung mit Pflegeplätzen. Allein um das aktuelle Versorgungsniveau zu halten, müsste die Zahl der Pflegebetten um rund 40 Prozent steigen. Die hohen Grundstückspreise bremsen jedoch den erforderlichen Zubau.

 

„In München wird sich die Versorgungslage für Pflegebedürftige in den nächsten Jahren weiter massiv zuspitzen“, sagt Markus Bienentreu, Geschäftsführer der Pflegeheim-Beratung TERRANUS. „Die Münchener Pflegeheime sind schon jetzt voll, die Bevölkerung wächst und für Neubauten fehlen bezahlbare Grundstücke.“ Dies ergibt sich aus dem „TERRANUS Bedarfskompass“, der den Pflegeplatzbedarf der wichtigsten deutschen Großstädte analysiert.

 

So liegt die Auslastung der Pflegeheime in München mit 95,4 Prozent bereits deutlich über dem Bundesdurchschnitt (92,4 Prozent). Rechnet man noch die Betten hinzu, die aufgrund des akuten Personalmangels nicht belegbar sind, ergibt sich sogar eine Auslastungsquote von mehr als 97 Prozent. Unter den deutschen Großstädten nimmt München damit einen Spitzenplatz ein. Der Versorgungsgrad, d.h. der Anteil der über 65-Jährigen, der in Pflegeheimen versorgt wird, ist dagegen in München verhältnismäßig niedrig. Mit nur 2,9 Prozent liegt er deutlich unter dem Niveau anderer Großstädte wie Berlin (4,84 Prozent) und Hamburg (5,28 Prozent).

 

Um dieses Versorgungsniveau zu halten, müssen in München bis zum Jahr 2040 rund 39,9 Prozent zusätzliche Pflegeplätze geschaffen werden. Dies entspricht einem Zubau von rund 3.100 Plätzen. „Konkret bedeutet das, in München müssten in den nächsten 20 Jahren knapp 40 neue Pflegeheime gebaut werden“, so Bienentreu. „Angesichts der aktuellen Grundstückspreise ist das eine nicht zu bewältigende Aufgabe, vor allem unter den derzeit geltenden Refinanzierungsbedingungen.“

 

Das Problem sei, dass Pflegeheime im Wettbewerb um knappes städtisches Bauland nicht mehr konkurrenzfähig sind. „Senioren- und Pflegeheime brauchen idealerweise Innenstadt- oder Stadtteillagen mit guter Verkehrsanbindung und fußläufiger Infrastruktur“, so der TERRANUS-Geschäftsführer. „Solche Lagen sind teuer, und gebaut wird, was am lukrativsten ist.“ Im Zweifel seien dies eher Eigentumswohnungen im gehobenen Preissegment als das dringend benötigte Seniorenheim.

 

So sind in München schon in den letzten Jahren Pflegeheime fast nur noch im nahegelegenen Umland entstanden, die jedoch die fehlenden Plätze in der Stadt nicht kompensieren können. „Gerade in München muss man überlegen, welche Anreize man zum Bau von Senioren- und Pflegeheimen und zur Entlastung des Wohnungsmarkts insgesamt schaffen kann“, so Immobilienexperte Bienentreu. Denkbar sei z.B. Grundstücke speziell für diese Nutzung auszuweisen. „Gelingt dies nicht, wird es künftig nur noch teure Einrichtungen für Selbstzahler geben.“

 

Die Pflegeheim-Beratung TERRANUS veröffentlicht seit Anfang 2019 den „Bedarfskompass“, ein Prognosetool zur Bestimmung des Pflegeheim-Bedarfs in deutschen Großstädten. Auf Grundlage detaillierter Daten zur demografischen Bevölkerungsentwicklung, dem stationären Pflegeangebot (verfügbare Plätze, Auslastung, Ein-/Mehrbettzimmeranteil) sowie zu Versorgungsgrad und Kaufkraft lässt sich damit der zu erwartenden Bedarf an zusätzlichen Pflegeplätzen bestimmen. Die Prognosen für die Städte Hamburg, Berlin und München liegen bereits vor, sukzessive wird der Bedarfskompass die zehn größten Städte Deutschlands abdecken.

 

 

Über Terranus:

 

TERRANUS gehört zu den führenden Spezialmaklern und Beratungsgesellschaften für Sozialimmobilien in Deutschland. Seit über 20 Jahren berät das Unternehmen Investoren und Betreiber in allen Fragen um den wirtschaftlichen Betrieb von Sozialimmobilien.

 

www.terranus.de

zurück