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22.09.2017


Guttenberg oder die Halbwertszeit von Skandalen

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Er ist wieder da: Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurück auf der politischen Bühne in Deutschland. Das Presse-Echo ist allenfalls ein bisschen süffisant (Spiegel), in anderen Medien gibt es sogar regelrechte Hofberichterstattung (Bild Zeitung und Illustrierte). Der große Aufschrei bleibt jedenfalls aus. Selbst SPD-Kanzlerkandidat Schulz sagt dazu, immerhin in der Hochphase des Wahlkampfes, es gebe in der Politik keine ewige Verdammnis.

Nur zur Erinnerung: Es geht um denselben Mann, der noch vor sechs Jahren als „Lügenbaron“ aus dem Ministeramt gejagt wurde. Was ist seitdem geschehen? Nichts! Und das ist auch schon das ganze Geheimnis. Hatte Guttenberg nach Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe 2011 noch eine fatale Salami-Taktik verfolgt, tat er nach seinem Rücktritt als Minister das Richtige: Er verschwand einfach für eine Weile von der Bildfläche. Nur so konnte er erreichen, was ihm wirklich hilft: dass Gras über die Sache wächst.

Denn auch handfeste Skandale haben eine Halbwertszeit, die man als Betroffener kaum verkürzen, wohl aber verlängern kann. Sie hängt zum einen von Vergehen und Position ab: Die private Nutzung dienstlicher Bonusmeilen wird schneller verziehen als Abschreiben bei der Doktorarbeit. Einem designierten Bundestrainer schneller als einem amtierenden Bundespräsidenten. Aber auch vom Verhalten des Betroffenen selbst: Wer mit der Öffentlichkeit hadert wie z.B. Jan Ullrich oder darüber ein Buch schreibt wie Christian Wulff, verlängert in der Regel nur sein Leiden.

Für öffentliche Personen ist der mit einem Skandal verbundene Ansehensverlust vergleichbar mit einer Insolvenz. Auf einmal gibt ihnen die Öffentlichkeit keinen Kredit mehr. In der Insolvenz gibt es eine zweite Chance: Nach sechs (!) Jahren Wohlverhaltensphase, darf der Insolvenzschuldner von vorn beginnen. Es scheint fast, als habe Guttenberg sich daran orientiert. Allerdings werden in der Insolvenz nur die Altschulden erlassen. Neues Vertrauen muss man sich erst noch verdienen. Und da werden die potenziellen Kreditgeber diesmal natürlich etwas genauer hinschauen.

Von Sebastian Glaser

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