Sprache

07.11.2017


Schreibt einfach!

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Das Wirtschaftsmagazin Brand Eins hat eine Rubrik „Leichte Sprache“. Pressemitteilungen, Produktbeschreibungen und auch Wahlprogramme werden hier in eine geregelte Ausdrucksform übertragen, die es Menschen mit Lernschwierigkeiten und Behinderungen leichter machen soll, Texte zu verstehen. Diese Rubrik verdeutlicht, wieviel Kauderwelsch tagtäglich in Unternehmenszentralen und Agenturen produziert wird. Ein Beispiel: In einer Produktbeschreibung für eine elektrische Zahnbürste heißt es: „Die Aufsteckbürsten von Oral-B verfügen über ein professionell entwickeltes Design, das jeden Zahn einzeln umschließt.“ Übersetzt in „Leichte Sprache“ hört sich das z.B. so an: „Die Zahnbürste hat Bürsten. Die Bürsten kannst du tauschen. Die Bürsten putzen jeden Zahn einzeln.“ Noch ein Beispiel gefällig? Der Satz „Seit 2014 haben wir die Werte und Überzeugungen der Deutschen Bank in alle Personalprozesse integriert.“ lautet in „Leichte Sprache“: „Die Regeln gelten für alle Mitarbeiter.“

Klarer und verständlicher kann Sprache kaum sein. Und das hat einen einfachen Grund: „Leichte Sprache“ setzt auf größtmögliche Verständlichkeit. Tabu sind Fremdwörter, Synonyme, Schachtelsätze und der Konjunktiv. Regeln also, die aus den Büchern des Sprachpapstes Wolf Schneider stammen könnten. Generationen von Journalisten kennen dessen Forderungen: Weg mit den Tarnwörtern, Schluss mit abstrakten Substantiven, her mit den Verben und: Hauptsachen in Hauptsätze. Die Realität sieht leider anders aus. In Pressemitteilungen, Produktbeschreibungen, Reden und Unternehmenspräsentationen wimmelt es von aufgeblähten Sätzen, Verschachtelungen und jeder Menge Überfluss.

Ein Irrglaube hat sich unter Textern und in Marketingabteilungen breit gemacht, Inhalte klängen dann wichtig, wenn sie schwer verständlich sind. Gleichzeitig wird die Welt immer komplexer. Die Versuchung ist groß, das eigene Unwissen hinter Floskeln und Passivsätzen zu verstecken. Wer aber „verfügen über“ schreibt statt „haben“, „konzipieren“ statt „planen“, wer „koppeln“ statt „verbinden“ schreibt und Anglizismen und Schachtelsätze in seine Texte streut, erreicht vor allem eins: Er ermüdet seine Leser. Natürlich muss Sprache auch abwechslungsreich und unterhaltsam sein. Eine Aneinanderreihung stumpfer Hauptsätze ist also auch keine Lösung. Wer aber möchte, dass seine Texte gelesen werden, muss sich trauen, einfach zu schreiben. Das ist mühsam – aber es lohnt sich.

Von Eva Wagenbach

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