Krisen-PR

18.10.2017


Von den Tücken politischer Kommunikation

Der Plenarsaal wird für die konstituierende Sitzung des 19. Deutschen Bundestages für die 709 Bundestagsabgeordneten umgebaut.
Handwerker, Handwerksarbeiten, Umbau, Deutscher Bundestag, Adler, BundesadlerOrdnungsnummer: 3948814
Ereignis: Liegenschaften, Architektur
Gebäude / Gebäudeteil : Reichstagsgebäude, Plenarsaal
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Die politische Diskussion nach der Bundestags- und der Niedersachsen-Wahl zeigt wieder einmal mit aller Deutlichkeit, was gute Kommunikation vermag – und welchen Schaden schlechte Kommunikation anrichten kann. Denn während die Misere der SPD sich zunehmend zum Randthema entwickelt, schießen sich alle – und zwar nicht nur in den anderen Parteien, sondern auch in der Union selbst – auf die CDU und ihre Vorsitzende ein.

Aus PR-Sicht ergibt sich hier eine interessante Herausforderung. Betrachten wir – ehe wir uns über eine bessere Kommunikation Gedanken machen – die Tatsachen:

Erstens: Frau Merkel wird zum 4. Mal hintereinander Bundeskanzlerin. Dass die Wahlergebnisse der Regierungspartei von Wahl zu Wahl sinken, ist völlig normal.

Zweitens: Das gute Ergebnis der CDU bei der letzten Wahl im Jahr 2013 war Sondereffekten geschuldet: Insbesondere das eklatante Versagen der FDP führte dazu, dass viele FDP-Wähler zur CDU wechselten. Zudem war die AfD damals noch eine Anti-Euro-Partei; ein Programm, das nicht ausreichte, die 5-Prozent-Hürde zu nehmen – geschweige denn, ein zweistelliges Ergebnis zu erreichen.

Drittens: Frau Merkel hat es geschafft, ihre Partei konsequent in die Mitte zu rücken und damit breite Wählerschichten zu integrieren. Die CDU ist deshalb die einzige Partei, die noch über 30 % der Wähler überzeugen konnte – und damit mit Abstand die letzte Volkspartei. Das ist angesichts der Zersplitterung der Gesellschaft in heterogene Milieus eine beachtliche Leistung.

Viertens: Viele Kommentatoren meinen nun, es besser zu wissen: Die CDU habe die rechte Flanke geöffnet; dies sei der Grund für die Verluste und das Erstarken der AfD. Aber was wäre die Alternative? Man stelle sich vor, jemand vom Schlage Helmut Kohls wäre noch Parteivorsitzender und würbe um das alte CDU-Spießerklientel: Die CDU wäre längst bei 20 Prozent angelangt.

Fünftens: Natürlich hat eine solche Positionierung auch Nebenwirkungen. Das Erstarken der AfD ist die eklatanteste – und die zwangsläufige. Die Bundesrepublik ist damit in der europäischen Normalität angekommen. Bedauerlich? Ja, natürlich! Aber aus Sicht der Union der Preis für den Erfolg. Alles im Leben hat seinen Preis.

Nach der Formulierung der Tatsachen ist in der PR der nächste Schritt, daraus eine „Storyline“ zu entwickeln. Doch huch! Wie man es auch dreht und wendet, die geschilderten Tatsachen sind ja schon die beste aller denkbaren Storylines. Da sie den Tatsachen entspricht. Merkwürdig nur, dass man diese Argumente nirgends liest oder hört. Dabei kann Kommunikation so einfach sein …

Von Christoph Möller

Christoph Möller

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