Berlin, 23. Juni 2026. Die von der Bundesregierung geplante Neuordnung der Pflegeversicherung ist ein wichtiger Schritt zu deren Stabilisierung. Dies betonte Carsten Brinkmann, Ausschussvorsitzender Gesundheits- und Sozialimmobilien beim Immobilien-Spitzenverband ZIA anlässlich der EXPO Living & Care in Berlin. Die Reform greife jedoch zu kurz, weil sie vor allem auf die Finanzierungsprobleme ziele.
„Die im Entwurf der Pflegereform vorgeschlagenen Maßnahmen können dazu beitragen, die Finanzierung zu verbessern, und es ist richtig, dass die Bundesregierung dies angeht. Das Kernproblem bleibt aber weiterhin ungelöst: Wie organisieren und finanzieren wir Pflege in einer Gesellschaft, in der die Zahl der Pflegebedürftigen deutlich schneller wächst als die Zahl der Beitragszahler?“, betonte Brinkmann.
Eine reine Neuverteilung der Lasten innerhalb des bestehenden, umlagefinanzierten Systems stoße an Grenzen. „Wir können damit kurzfristig etwas Geld sparen. Für eine dauerhaft tragfähige Finanzierung reicht das aber nicht aus. Der demografische Druck ist zu groß. Dann sind wir schnell über der Belastungsgrenze dessen, was pflegende Angehörige, die Mittelschicht und die Wirtschaft leisten können.“
Erforderlich seien grundlegende strukturelle Reformen, die Finanzierung, Personalgewinnung, Prävention, Digitalisierung und neue Versorgungsformen gemeinsam in den Blick nehmen. Hier könne Deutschland von anderen Ländern lernen. Dort gibt es steuerfinanzierte, versicherungsbasierte oder gemischte Modelle mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Kostenstrukturen. „Das eine perfekte Modell und vor allem eine Blaupause für Deutschland wird man dort nicht finden“, machte Brinkmann deutlich. „Aber alle erfolgreichen Systeme haben gemeinsam, dass sie Pflegepolitik als langfristige gesellschaftliche Aufgabe verstehen und Finanzierung, Prävention, Personalentwicklung sowie Versorgungsstrukturen gemeinsam betrachten. Diese Perspektive brauchen wir auch in Deutschland.“
Deshalb müsse auch eine Diskussion über die künftige Finanzierungsarchitektur insgesamt geführt werden. Neben einer klaren Trennung von Pflegeleistungen und gesamtgesellschaftlichen Aufgaben, die aus Steuermitteln finanziert werden, müssten zusätzliche Formen der Vorsorge und Kapitalbildung geprüft werden. „Die Pflegeversicherung kann nicht dauerhaft von Kosteneinsparungen und Beitragserhöhungen leben“, so Brinkmann. „Wir brauchen zusätzliche Finanzierungsquellen, die langfristig wachsen und künftige Generationen entlasten können. Der Aufbau kapitalgedeckter Elemente würde helfen, die Lasten des demografischen Wandels gerechter zwischen den Generationen zu verteilen.“
Ein wesentlicher Ansatzpunkt sei auch die Vereinheitlichung und Anpassung der Baustandards. Da jedes Bundesland eigene bauliche Vorgaben für Pflegeheime erlässt, gibt es einen Flickenteppich von Bauvorschriften mit unterschiedlichen Anforderungen. „Das verkompliziert und verteuert das Bauen unnötig, steigende Investitionskosten sind die Folge“, so Brinkmann. „Immer häufiger führt es sogar dazu, dass dringend benötigte Kapazitäten nicht mehr gebaut werden, weil es sich nicht rechnet.“ Hier sei eine bundeseinheitliche Musterbauordnung und ein „Standardraumprogramm Pflegeheim“ mit realistischen Vorgaben sinnvoll. „Damit ließen sich die Kosten- und Effizienzvorteile seriellen Bauens oder des Gebäudetyps E nutzen.“
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