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Der Auftritt bei Podcast und Radio

Podcaster und Rundfunkredakteure müssen für die Ohren schreiben. Dabei ist Audio das schnellste Medium, aber auch das flüchtigste. Die Hörer haben nur eine Gelegenheit, eine Meldung zu verstehen – dies ohne Bilder und gemeinhin neben einer anderen Beschäftigung. Diese Einbahnstraße vom Redakteur/Sprecher zum Zuhörer muss professionell gestaltet sein, um angenommen zu werden.

Unserer Aufnahmefähigkeit sind enge Grenzen gesetzt – besonders dann, wenn wir abgelenkt werden. Drei Sekunden stellen eine Art magische Grenze für einen gesprochenen Satz dar, der verstanden werden soll – das sind ca. 13 Wörter. Nachrichtenredakteure werden bspw. darauf trainiert, in diesem Rahmen zu formulieren. Sie als Interview-Partner tun gut daran, sich an eben diese Regeln zu halten, so schwer das manchmal auch fällt.

Natürlich darf man nicht der Gefahr erliegen, nur kurze Hauptsätze aneinander zu reihen. Das wäre monoton und würde zum Weghören verführen. Die Kunst liegt darin, kurze Konstruktionen aus Haupt- und Nebensätzen zu formulieren. Dabei sollten Nebensätze erklärend sein und nicht komplizierend wirken.

Kleine und große Sünden gegen die Verständlichkeit

Das zerrissene Verb: Wer kurze und verständliche Sätze schreiben will, stolpert oft über eine Eigenart der deutschen Grammatik – das zweigeteilte Verb. Das Verwirrende ist, dass die zweite Verbhälfte stets diejenige ist, die dem Satz einen Sinn gibt. In vielen deutschen Sätzen erfährt der Leser oder Hörer deshalb die volle Bedeutung erst mit dem letzten Wort.

Dies dürfte bei folgendem Nachrichtensatz noch kein Problem darstellen:

„Die Finanzierung der Corona-Hilfen bleibt auch nach einem Spitzengespräch bei Bundeskanzler Scholz umstritten.“

Rücken die beiden Verbhälften aber weiter auseinander, weil der Satz zu lang gerät, so geht dies eindeutig zu Lasten der Verständlichkeit und damit der Aufmerksamkeit des Zuhörers, wie folgendes Beispiel verdeutlicht:

„US-Präsident Biden hat heute mit der Führung der Republikaner erneut über die Möglichkeiten zur Beilegung des seit zwei Wochen dauernden Streiks der Zollbeamten gesprochen.“

Bereits eine Verkürzung des Satzes erhöht die Verständlichkeit:

„US-Präsident Biden hat heute mit den Republikanern erneut über eine Beilegung des Zöllner-Streiks gesprochen.“

Noch verständlicher und damit radiotauglicher wird der Satz, wenn man das Verb vorzieht:

„US-Präsident Biden hat heute mit den Republikanern erneut darüber gesprochen, den Zöllner-Streik beizulegen.“

Weitere kleine Sünden mit großer Wirkung in Sachen Verständlichkeit sind Schachtelsätze, das Verwenden von Partizipien sowie das unnötig gebrauchte Passiv. Denn das Passiv macht nur dort Sinn, wo das Interesse in erster Linie dem Vorgang und nicht dessen Verursacher gilt.

Die Hauptwörtelei gehört zu den größeren Sünden wider die (Hör-)Verständlichkeit eines Satzes. Hier geht es um die Tendenz, Hauptwörter unnötig an Stelle von Verben einzusetzen (Eine besondere Vorliebe für dieses Vorgehen ist bekanntermaßen in der Behördensprache zu finden). Gerade bei Podcast und Radio wird über Vorgänge, über Geschehnisse berichtet. Um die notwendige Dynamik auch ohne Bilder zu transportieren, muss das Verb das Rückgrat des Satzes sein. Ein Beispiel mag dies verdeutlichen:

Falsch:

„Der neue Aktionsplan für die Ost-Ukraine sieht die Einrichtung von Schutzzonen und eine verschärfte Durchsetzung der Sanktionen gegen Russland vor.“

Richtig:

„Der neue Aktionsplan für die Ost-Ukraine sieht vor, Schutzzonen einzurichten und die Sanktionen gegen Russland strenger durchzusetzen.“

So wird mit wenig Mühe aus einem schwer verdaulichen Brocken ein locker und verständlich dahinfließender Satz.

Wenig dynamisch und eher gestelzt wirkt übrigens auch die Verwendung des Infinitivs. Die Neuigkeit ans Ende des Satzes zu stellen, hat sich bei Audio-Profis als sicherer Weg zum Ziel erwiesen. Wer etwas mitteilt und gleich verstanden werden will, muss am Bekannten anknüpfen und dann erst das Neue bringen: „Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF (jedem bekannt) hat (jetzt kommt die Neuigkeit) glänzende Gewinne gemacht.“ Einen Satz in der klassischen Abfolge Subjekt – Prädikat – Objekt (Neuigkeit) aufzubauen, entspricht zudem der gängigen Satzmelodie, welche die Betonung am Ende vorsieht.

Auch beim zentralen Begriff zu bleiben hat sich bewährt. Anders als im Schulaufsatz, bei dem Wiederholungen von Begriffen als Zeichen für einen eingeschränkten Wortschatz gewertet werden, lebt die Podcast- und Radiosprache von eben jenen Begriffen. Als Regel gilt: Der für den Sachverhalt richtig gewählte Begriff wird nicht variiert. Das hat den Vorteil, dass der Hörer nicht darüber nachdenken muss, ob ein neuer Begriff auch eine andere Bedeutung trägt, weitere Erläuterungen sind nicht nötig. Ein Streik bleibt ein Streik bleibt ein Streik (und wird nichts zum „Ausstand“ oder zur „Arbeitsniederlegung“, o.ä.).

Zudem können so die aus Sicht des Informationsgebers wichtigen, weil zentralen Begriffe in den Köpfen der Zuhörer verankert werden. Ein Beispiel: Während der Regierung Merkel ist die Opposition nicht umsonst dazu übergegangen, in den Medien nicht mehr von der (neutralen) Regierungskoalition zu sprechen, sondern von der „Regierung Merkel“, denn hier sollte eindeutig die Bundeskanzlerin zur Verantwortung gezogen werden.

Mit Fachbegriffen und Fremdwörtern und Abkürzungen ist sparsam umzugehen. Wenn die Bedeutung nicht eindeutig ist, müssen Erläuterungen erfolgen, welche die Nachricht möglicherweise wieder zu komplex gestalten.

Nicht zu viele Zahlen sollte man dem Zuhörer zumuten, denn das flüchtige Medium Hörfunk macht es schwer, Zahlen aufzunehmen. Hilfreich sind Auf- oder Abrundungen: „Knapp 200.000“ ist leichter zu merken als „198.762“!

Wenn Sie bereit sind, diese kleinen Hinweise bei Ihrem Podcast- oder Radioauftritt zu beachten, kommen Sie den Hörgewohnheiten der Menschen deutlich entgegen und erhöhen Ihre Chance, Ihre „message“ anzubringen – ein Versuch, der sich lohnt.

 In Kürze folgt der neunte Teil unserer Blog-Serie. Das Thema: Grundregeln für Diskussionsrunden bei Fernsehen und Radio.

Falls Sie die ersten Serienteile verpasst haben, finden Sie in dieser Übersicht die bereits erschienenen Folgen:

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Christoph Möller

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